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Das Maschinenmenschliche künstlerisch betrachtet
Was für Stadtoldendorf der "SpitzenDreher", ist für Holzminden der "SternSchauer": Claus Caninenberg stellt zur EXPO aus, und keiner weiß es
 
(Täglicher Anzeiger Holzminden, 8. September 2000)
 
Holzminden (spe). Mensch - Natur - Technik. Die Themen der Weltausstellung Expo 2000 sind seit jeher die Themen, die der in Hellental lebende Künstler Claus Caninenberg in seinen Arbeiten umsetzt. Die Reihe "MaschinenMenschen" ist so ein Beispiel. Parallel zur Ausstellung mit Peter Otte, "EXPOsition" im Alten Rathaus Stadtoldendorf, zeigt Caninenberg seit Pfingsten auch eine öffentliche "MaschinenMenschen"- Ausstellung in Stiebels Hofanlage Brombeerweg in Holzminden. Zusammen mit der Ausbildungswerkstatt von Stiebel Eltron entstand die Skulptur "SternSchauer", mit der Caninenberg sein erstes Kunstobjekt im öffentlichen Raum Innerhalb der Stadt Holzminden platziert. Der "SternSchauer" der sich mit dem Wind dreht, thront auf acht Meter hohem Masten in zentraler Position am Brombeerweg. 45 Arbeiten sind in einer bezugsfertigen aber noch leeren Wohnung in dem Mehrfamilienhaus der Hofanlage Brombeerweg zu sehen. Die meisten Bilder sind speziell für die Ausstellung entstanden, andere retrospektiv. Caninenberg zeigt in der Mehrzahl aquarellierte Farbradierungen mit Prägungen und Original-Lithografien mit Handzeichnungen. Eine Reihe topografischer Original-Karten hat Caninenberg zu Kunst gemacht, indem er seine MaschinenMenschen integriert hat. Sie zerschneiden die Landschaft, geben den Maßstabskarten eine neue Dimension. Zwei Objekte schlagen besonders augenscheinlich den bogen zur auch im Brombeerweg wichtigen Solartechnik. Erst die angeschaltete Lampe, die ihr Licht auf das Solarmodul wirft, erweckt die MenschMaschinen zum "Leben"- und sie . funktionieren perfekt im Mechanismus, von unsichtbaren Ingenieuren bestimmt.
 
Caninenbergs kritische Auseinandersetzung mit der Thematik "Mensch und Technik" kommt nicht von ungefähr. Selbst Maschinentechniker und Bauingenieur, der im vorderen Asien, Afrika und Südamerika Brücken baute und Eisenbahntrassen durch den Dschungel trieb, hat er Fluch und Segen dieser Symbiose aus erster Hand erfahren. Caninenbergs Wahrheiten sind selten vordergründig, meisten ambivalent. Der Betrachter muss "arbeiten", um sie zu erschließen. Eine Radierung ist beispielhaft: Da lauert der Tod über dem Frühchen, das nur mit der Energie des Atomstroms am Leben bleibt.
 
Zweieinhalb Jahre lang, nicht kontinuierlich, aber beständig, haben Claus Caninenberg und die Ausbildungswerkstatt von Stiebel Eltron gemeinsam an dem "SternSchauer" und an dem "SpitzenDreher" gearbeitet. Letzterer hat mitten in Stadtoldendorf einen Ehrenplatz bekommen. Nach Caninenbergs Entwürfen entstanden- quasi als künstlerische und doch praktische Übungseinheit über den formalen Lehrplan hinaus- die transparenten Kupferkörper eines Caninenberg-typischen MaschinenMenschen. Ihm sei es darum gegangen,"den Auszubildenden zu vermitteln, dass es noch etwas anderes gibt, als punktgenau handwerkliche Qualität zu liefern." Die "Gespräche mit jungen Leuten" waren ihm wichtig.
 
Foto SternSchauer Der "SternSchauer" ist umgekehrt proportional zum "SpitzenDreher", ersterer ist größer, sein Mast dafür niedriger. In acht Metern Höhe auf dem grünen Mast blickt er gen Himmel, sieht gemartert aus mit seinem Balken durch den Kopf und seinem durchgestreckten Körper- wahrscheinlich keine leichte Kunst für den öffentlichen Raum. Caninenberg aber sagt: "Man kann ihn so oder so sehen".
 
Was auf jeden Fall schade für den Künstler und alle Kunstinteressierten ist: Obwohl die 45 Exponate seit Pfingsten in dem Mehrfamilienhaus in der Hofanlage aufgehängt sind, der Künstler eingeladen war, hier auszustellen, tut sich der Projektträger offensichtlich schwer mit der Präsentation. Kein Wort fiel über Caninenbergs "EXPOsition" während der offiziellen Einweihung, es gab weder eine Ausstellungseröffnung noch einen Hinweis an die ÷ffentlichkeit, die Tür zur Wohnung, in der die Bilder und Objekte gezeigt werden, ist verschlossen, die Räume gar nicht oder mit einer einzigen Glühlampe beleuchtet. Und bis heute wartet der Künstler auf den zugesagten Katalog zur Ausstellung. "Irgendwo ist eine Sperre", vermutet Claus Caninenberg selbst.
 
Eigentlich müssten Künstler und Veranstalter Interesse an ÷ffentlichkeitswirksamkeit haben. Aber erst auf Anfrage des TAH, zwei Monate vor Ende der EXPO (so lange soll auch die Ausstellung laufen), kam es zu einem Pressetermin mit den Beteiligten. Liegt es an der kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema, dass die PR- Maschine in diesem Fall so überhaupt nicht auf Touren kam? Davon will Projektleiter Axel Triestmann nichts wissen. Die Ausstellung sei immer zugänglich gewesen, mit dem Thema habe man überhaupt kein Problem, schließlich sei man jetzt an die ÷ffentlichkeit getreten.
 
Bis 31. Oktober, täglich von 12 bis 18 Uhr, haben Caninenberg- Fans und die es werden wollen noch Gelegenheit, die "EXPOsition" in der Hofanlage Brombeerweg zu besuchen. Wer sie sehen will, muss sich im "Treffpunkt", im Empfangsgebäude im Brombeerweg melden. Dann wird ihm aufgeschlossen.
 
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